GEWONNENE STABILITÄT BIETET NEUE CHANCEN

Die U3L nach dem Vertrag mit der Goethe-Universität

Foto: Uni-Campus Westend nach der Infoveranstaltung am 31.3.2026 / Elisabeth-Wagner-U3L-Frankfurt

Für die U3L steht nach dem Abschluss des Vertrags mit der Goethe-Universität im Sommersemester 2026 der Umzug vom Campus Bockenheim in den Campus Westend an. So findet der größte Teil der Präsenzveranstaltungen der U3L zum Sommersemester bereits im Westend statt. Was dies für die Studierenden an der U3L bedeutet und was sich sonst noch ändert bzw. künftig ändern soll, darüber hat der AK Öffentlichkeitsarbeit mit Prof. Dr. Markus Wriedt und Dr. Mayte Zimmermann gesprochen. 

Viel Vergnügen und neue Erkenntnisse bei der Lektüre wünschen
Frank Schabel und Dr. Anne Winckler im Namen des Arbeitskreises-Öffentlichkeitsarbeit 


März 2026



Interview mit Prof. Dr. Markus Wriedt und Dr. Mayte Zimmermann

Was bedeutet für Sie persönlich der Umzug von Bockenheim ins Westend?

Wriedt: Ich bin mir mit unserem Unipräsidenten Enrico Schleiff einig: Der Campus Westend ist der schönste Campus in Deutschland. Den Umzug empfinde ich als eine große Qualitätsverbesserung: Die Räume sind ordentlich, die Technik läuft – das ist einfach angenehm. Unsere Studierenden können sich hier sehr wohlfühlen. Der Campus Bockenheim war nie meins. Ich kenne seine Geschichte, die ist jetzt zu Ende. Darüber bin ich glücklich, und ich hoffe, dass es so weitergeht, wie es sich bislang entwickelt hat.


Was bedeutet der neue Vertrag für das Verhältnis der U3L zur Goethe-Universität?


Wriedt: Wir sind froh, dass wir den Vertrag haben, weil wir jetzt zum ersten Mal unsere rechtlichen Verhältnisse grundständig klären konnten. Auch unsere Zusammenarbeit mit dem Präsidium der Goethe-Universität lässt sich gegenwärtig sehr gut an. Wir haben in Herrn Schleiff als Präsidenten jemanden, der die U3L unterstützt, und mit Frau Andresen eine Vizepräsidentin, für die wir Teil ihrer Arbeitsplatzbeschreibung sind. Das wollte sie selbst, und sie engagiert sich sehr für unsere Belange. Insofern ist jetzt auch die konkrete Zusammenarbeit geregelt: Es gibt Konsultationen auf der Leitungsebene und regelmäßigen Austausch auf der operativen Ebene.

Zimmermann: In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals auf die existenzielle Gefahr hinweisen, vor der die U3L stand, als Herr Wriedt und ich angetreten sind. Das haben wir damals nicht so an die Studierenden kommuniziert, da wir keine große Unruhe erzeugen wollten und noch keine konkreten Lösungen bieten konnten. Der Vertrag ist der Wendepunkt hin zu einer gesicherten Zukunft der U3L – nicht nur auf einer rechtlichen Ebene. Frau Andresen ist Vizepräsidentin für Chancen, Karriereentwicklung, Diversität und Gleichstellung. Sie begreift Alter neben race, class und gender als eine weitere wichtige Differenzkategorie in der Arbeit an Gleichbehandlung und Gerechtigkeit.


Was wäre passiert, wenn es den Vertrag nicht gegeben hätte?

Zimmermann: Natürlich wurden immer wieder Vorschläge für alternative Räumlichkeiten an uns herangetragen. Was dabei nicht berücksichtigt wurde, waren die Voraussetzungen, die Räume in großer Anzahl für die Studierenden bieten müssen. Neben der technischen Ausstattung und Gefahrensicherheit gehört auch die benachbarte Lage von Veranstaltungsräumen dazu, um weite Wege beim Wechsel zu vermeiden. Im Stadtraum etwas zu finden, würde viel kosten. Da wäre ich mir nicht sicher gewesen, wie wir das finanziell gestemmt hätten. Natürlich hätten wir alles getan, um Lösungen zu finden, damit die U3L bestehen bleibt. Aber wir sind froh, dass wir uns nicht in diese Richtung bewegen mussten. Und wir sprechen nicht nur von Räumen, denn wir hängen mit unserer gesamten Infrastruktur an den Systemen der Goethe-Universität, ohne die wir nicht operieren könnten.


Was hat dazu geführt, die Studiengebühren zu erhöhen?

Wriedt: Die Erhöhung liegt unter anderem an den höheren Raummieten. Die Preissteigerungen machen auch hier keinen Halt, und trotz des Entgegenkommens der Goethe-Universität mussten die Mieten erhöht werden. Die andere Kostensteigerung betrifft die Infrastruktur und den Support, den wir nutzen.

Zimmermann: Zudem haben wir nicht nur die Erhöhung der Mietkosten, wir müssen auch die Honorare der Lehrenden erhöhen. Momentan operieren wir mit Stundensätzen, die – das habe ich vor kurzem in einem Vorstandsprotokoll gefunden – schon 2013 als zu niedrig eingeschätzt wurden. Die erhöhen wir jetzt eher symbolisch, aber das tut dringend not. Der dritte Punkt betrifft die Gehälter der Geschäftsstelle, die sich tarifvertragsrechtlich regelmäßig erhöhen, und auch die laufenden Kosten steigen. Unsere existenzielle finanzielle Basis sind die Studierendenzahlen und die durch sie generierten Gelder für den Studienbetrieb.


Wie wird sich das Verhältnis von Online- und Präsenzformaten entwickeln?
Wird Präsenz vornehmlich am Montag und Freitag stattfinden?

Wriedt: In der Geschichte der U3L ist nichts in Stein gemeißelt. Herrn Wunderlich ist es mit großem Geschick gelungen, viele Lehrzeiten für Präsenzveranstaltungen zu identifizieren, die sich nicht auf Montag und Freitag beschränken. Das derzeitige Verhältnis von digital und Präsenz geht auf die Wünsche der Studierenden zurück. Wir haben eine beträchtliche Anzahl von Hörenden, die die digitale Fassung wollen, und Menschen, die nur Präsenzveranstaltungen besuchen möchten. Die größte Gruppe will beides.

Zimmermann: Das zeigen auch die Ergebnisse unserer Blitzumfrage. Ungefähr 30 % sind reine Präsenzstudierende, 20 % rein digital Studierende und 50 % haben den Wunsch nach beiden Formaten – bei Letzteren ist die Tendenz steigend.


Wird es künftig mehr hybride Formate geben, um dies abzubilden?


Zimmermann: Hybride Seminare sind didaktisch eine große Herausforderung, das Aufzeichnen von Vorlesungen ist deutlich einfacher. Derzeit untersuchen wir, was auf dem Campus Westend möglich ist. Bei Ringvorlesungen, die nicht auf Gespräch ausgelegt sind, wollen wir künftig tatsächlich stärker auf hybride Formate zurückgreifen. Grundsätzlich planen wir, ein attraktives digitales Studium anzubieten. Denn ungeachtet technischer Fragen hat die U3L einen gesellschaftspolitischen Auftrag: Sie soll die Teilhabe älterer Menschen an gesellschaftlichen Prozessen und an Wissensräumen ermöglichen. Wir dürfen daher mobilitätseingeschränkte Personen nicht ausschließen. Unser Programm digital anzubieten, hat neben einer ethischen Verantwortung auch ökonomische Gründe: Expert*innen geben zu bedenken, dass eine Kulturinstitution, die den digitalen Bereich nicht mitdenkt, in zehn Jahren nicht mehr existiert.


Auf dem Campus Westend studieren nun junge und ältere Menschen zusammen: 
Wie soll dies gestaltet werden? Gibt es Anlaufstellen?


Wriedt: Wir haben dazu kein festes Programm aufgesetzt, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass es gut funktionieren wird. Eine Anlaufstelle auf dem Campus Westend ist ein Thema der bilateralen Verhandlungen. Wir brauchen ein Büro auf dem Campus Westend – da sind wir dran, aber wir haben noch keines.

Zimmermann: Das heißt, die Geschäftsstelle bleibt erst einmal in Bockenheim. Spätestens im Wintersemester wollen wir umziehen, zumal die Haushaltslage der Universität ab 2027 besser wird. Unser Geschäftsstellenteam hat deshalb entschieden, dass wir bis auf Weiteres eine Hotline für alle U3L-Studierenden anbieten, die auf dem Campus Westend Hilfe benötigen.

Wriedt: Historisch gesehen gab es Zeiten, in denen die U3L-Lehre auch Teil des Lehrbetriebs der Goethe-Universität war. Es gab und gibt gute Gründe, getrennt zu operieren. Natürlich hoffen wir, dass sich auf dem Campus Westend junge und ältere Studierende informell austauschen und enger in Kontakt kommen.


Was tut sich bei der Suche nach neuen Dozierenden?


Wriedt: Wir haben etwa 90 Lehrende, die circa 120 Veranstaltungen anbieten. Das ist viel – wir bieten ein exzellentes Programm und werden dies auch weiter tun. Traditionsgemäß ist das Angebot etwas geisteswissenschaftslastig. Es ist leider nicht so, dass neue Dozierende zu uns strömen. Am besten funktioniert es über persönliche Kontakte. Dass es an der einen oder anderen Stelle Veränderungen geben wird, ist klar.

Zimmermann: Grundsätzlich ist es schwierig, von einem gewachsenen Prinzip – wir holen Dozierende aus persönlichen Netzwerken – hin zu einer aktiven Rekrutierung von Dozierenden zu kommen. Das bedeutet einen enormen Arbeitsaufwand für einen ehrenamtlichen Vorstand, der für das Programm verantwortlich zeichnet.


Schränken die formalen Kriterien den Kreis der möglichen Dozierenden ein?


Wriedt: Die Auswahlkommission erarbeitet derzeit einen Kriterienkatalog für mögliche Dozierende, der die Bedingungen für die Lehre in der U3L formuliert. Im Übrigen haben wir Dozierende, die nicht graduiert sind – das geht heute schon. Doch ich halte daran fest: Wir heißen Universität, nicht Volkshochschule. Wir bieten hoch qualifizierte Lehre. Wenn jemand graduiert ist, hat er bereits Lehrerfahrung und weiß, wie das geht.


Stichwort Alternsforschung: Was ist hier geplant?


Wriedt: Dass wir uns mit Alternsforschung beschäftigen, ist dem Vorstand qua Vereinssatzung vorgegeben. Es gibt zur Alternsforschung Veranstaltungen von Prof. Dr. Frank Oswald, der einen Lehrstuhl in Erziehungswissenschaften hat, und seinem Team. Unser Ziel ist es dabei, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch zu generieren – also Forschung zu betreiben und daran unsere Hörenden zu beteiligen.

Zimmermann: Hinzu kommt: Wir wollen die Hörenden nicht nur nach Fächerkanon sortieren, sondern ihnen über unterschiedliche Formate ermöglichen, mit Wissen in Kontakt zu kommen. Dazu gehört neben dem Informieren in Vorlesungen oder dem Einbringen in Seminardiskussionen auch, selbst Wissen zu generieren – also nicht nur Objekt eines alternswissenschaftlichen Forschungsprojekts zu sein, sondern zum Subjekt von Forschung zu werden.


Die U3L gäbe es ohne den Verein nicht, der sie trägt. Was steht im Verein an?


Wriedt: Wir erarbeiten gegenwärtig im Vorstand ein Leitbild und eine Vision über das, was der Verein in Zukunft leisten kann und will. Natürlich wollen wir, dass der Verein wächst. Zudem erhoffen wir uns, dass der Verein noch stärker als tragendes Fundament der U3L wahrgenommen wird. Dazu sind erste Überlegungen erfolgt. Es wird allerdings noch dauern, bis das alles umgesetzt ist. Am 17. Juni 2026 gilt es nun, in der Mitgliederversammlung wichtige Weichen zu stellen. Unter anderem wird ein neuer Vorstand gewählt, der die anstehenden Aufgaben zu bewältigen hat.